
26. Mai 2011
Evangelisch-Reformierte Gemeinde
"Die Welt als Exil"
Vortrag und Diskussion
von und mit Dr. Stefana Sabin

DIE WELT ALS EXIL
Seit der biblischen Geschichte ist die jüdische Identität an
die Erfahrung des Exils gebunden. Vertreibung, Versklavung,
Erniedrigung haben ebenso das jüdische Bewusstsein bis in die
Moderne hinein geprägt wie das Warten auf Erlösung. Doch
gerade in der Moderne ist das Exil als Verlust der geographischen und
sprachlichen Heimat von einem kollektiven zu einem individuellen, von
einem besonderen jüdischen zu einem allgemeinen menschlichen
Charakteristikum geworden.
Stefana Sabin verfolgt die Wandlung des Exilbegriffs und die Entstehung
eines exilischen Bewusstseins als Symptom der modernen Befindlichkeit.
Dabei differenziert sie zwischen den beiden Bedeutungen des Exils als
Heimat- und Sprachlosigkeit. Zahlreiche Beispiele von Ovid¸
bei Moses Mendelssohn, Adelbert von Chamisso und Karl Wolfskehl bis
Vladimir Nabokov, Peter Weiss, Milan Kundera und Kazuo Ishiguro
veranschaulichen, dass die Heimatlosigkeit in kosmopolitischer
Ungebundenheit überwunden und die Sprachlosigkeit in der
Mehrsprachigkeit aufgehoben werden kann.
Dr. STEFANA SABIN
Stefana Sabin wurde 1955 in Bukarest geboren. Das Studium der
Literaturwissenschaft in Frankfurt, Haifa und Los Angeles schloss sie
1982 mit ihrer Promotion ab. Sie ist Dozentin an den Schulen des
deutschen Buchhandels und arbeitet beim Feuilleton der „Neuen
Zürcher Zeitung“. Stefana Sabin ist Herausgeberin mehrerer
Prosa-Anthologien und hat Biografien und Essays geschrieben.
Veröffentlichungen (Auswahl):
Frauen am Klavier, Suhrkamp/Insel 1988
Die Welt als Exil, Wallstein Verlag 2008
Die Wahrheit der Literatur, 33 Essays, Verlag Literaturwissenschaft.de 2010
Der Schriftsteller als Politiker, Theodor Herzl und das zionistische Engagement,
Wallstein Verlag 2010